Konstanze Feindt Eißner
   Konstanze Feindt Eißner     

Arbeiten

Atelierbesuche nach Vereinbarung.

 

 

Matthias Flügge (dt. Kunstwissenschaftler, Rektor der HfBK Dresden) über KFE:

 

Die Versuchung liegt nahe, hier gleich eingangs die Plattitüde aufzuschreiben, daß das Thema der bildhauerischen Arbeit von Konstanze Eissner die menschliche Figur sei; als solches im Kanon der Skulptur verwurzelt, wie wir ihn seit Anbruch der Moderne als tektonisches, plastisch-räumliches, im Licht des Sinnlichen aufscheinendes Ereignis zu beschreiben gewohnt sind. Das wäre dann schon alles und wäre auch nicht falsch. Jedoch hinter den Erscheinungen dieser stark materialbezogenen Arbeiten tauchen noch andere Referenzen auf, die das Werk der Bildhauerin bestimmen. 
Da ist zum einen der deutliche, immanente Bezug zur Gegenwärtigkeit des Gewesenen, der sich jeder modischen oder auch nur vordergründigen Erneuerungsidee widersetzt, Entwicklung aber ausdrücklich will. Konstanze Eissners Skulpturen wurzeln nicht nur in dem erwähnten Kanon, sie sind vielmehr dabei, ihn auf eine eigene Weise zu variieren. Raum und Licht und die Oberflächen der Materialität sind dafür die prägenden Mittel. Es geht nicht darum, sie zu überwinden oder durch Relikte des Alltäglichen zu ersetzen, sondern um das Erproben in einem auf die eigene, spezifische Wahrnehmung bezogenen Sinn. Man könnte sagen, daß es eine Bewegung in die Tiefe ist, entlang einer vertikal gedachten Zeitachse.
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Für den Wiedereintritt in den klassischen Kanon der Skulptur bedeutet es, daß die Werke, wollen sie nicht allein dem Schmückungszweck genügen, die Brüchigkeit aller Versprechen auf den letztlichen Zustand des Harmonischen, des Ausgeglichenen – oder, um in der Terminologie zu bleiben, des Ausponderierten – mit in sich tragen müßten. 
Viele der steinernen Skulpturen von Konstanze Eissner tun dies auf eine sublime Weise, die ihrer materiellen Schwere entgegenwirkt. Hocken und Lagern, Bewegen und Beharren, Verdichten und Fragmentieren, die Oberflächen erstrahlen lassen und ihre Kostbarkeit gleich wieder durch bossierte Partien brechen: Das Prekäre dieser scheinbar so harmonischen, oftmals handwerklich perfekten Artefakte offenbart sich erst im Nachhinein. Nicht auf den zweiten Blick, sondern auf den wissenden.
Dieser zurückhaltenden Künstlerin, der man den körperlichen Einsatz des Handwerks nicht ansieht und die dem habituellen Klischee der „Bildhauerin“ so gar nicht entspricht, eignet ein Sinn für die Zerbrechlichkeit der anscheinend so festen Dinge, mit denen sie sich befaßt. 
Natürlich sind die Skulpturen auch als Metaphern für existentielle Zustände zu lesen. Seit den vielen verunglückten Be- und Zuschreibungen in den Gender-Diskussionen um die Kunst sind wir zu Recht sehr zurückhaltend mit Attributen wie „weiblich“ oder auch „männlich“ geworden. Ein sich durch das Werk ziehender Grundgestus des Behütens und Bewahrens, des ebenso behutsamen wie selbstbewußten Ausgleichs der Kräfte – der physischen des Materials und der psychischen der Formulierung – ist unübersehbar. Er scheint durch Erfahrung beglaubigt zu sein. Und durch Musikalität.

Einen Zustand des Vorübergehens, den Moment einer Betrachtung, das Empfinden einer Bedrohung in einer Raum-Form festzuhalten und im zumeist weiblichen Körper ein Motiv zu geben, das unserer Erfahrung nahe ist und bleiben wird, war schon immer eine Aufgabe der Kunst. Aber diese Erfahrung ist so vergänglich wie viele ihrer Ergebnisse. Konstanze Eissner wird das wissen. Der Mut, es überwinden zu wollen, treibt sie täglich zu den Steinen.   
 
2003

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Astrid Nielsen (Skulpturensammlungen Dresden):
Konstanze Feindt-Eißner – Skulpturen und Zeichnungen

Als Konstanze Feindt-Eißner 2011 eine Einzelausstellung bei "art+form" (Dresden) eröffnete, präsentierte sie überwiegend die neuesten Arbeiten der vergangenen zwei Schaffensjahre. So war in der Ausstellung einerseits viel Vertrautes im Werk der Künstlerin anzutreffen, andererseits konnten aber auch viele neue Entdeckungen gemacht werden – und einige dieser Entdeckungen sind gleichfalls in der nun vorliegenden, neuen Publikation zum Oeuvre der Künstlerin zu finden. Vorrangig ins Auge fällt dabei das Aufeinandertreffen dzweier Gattungen, in denen Konstanze Feindt-Eißner tätig ist, d.h. die plastische und die zeichnerische Kunst, wobei diese seit längerem diejenigen Medien sind, in denen sie ihren künstlerischen Ausdruck sucht und findet. Dabei wird deutlich, dass es sich hier um ein harmonisches, sich gegenseitig ergänzendes, manchmal erläuterndes Miteinander ihrer Skulpturen mit und ihrer zweidimensionalen Kunst handelt. Seitdem Konstanze Feindt-Eißner als Künstlerin tätig ist, entsteht beides immer parallel...

 

Die „Wächter“ sind als experimenteller und heiterer Ausflug zu verstehen, das Wichtigste und Wesentlichste jedoch sind und bleiben neben den zeichnerischen und malerischen Arbeiten die Steinskulpturen.  

 

Die Darstellung des Menschen steht im Mittelpunkt ihres Schaffens. Über ihre Bildhauerei sagte Konstanze Feindt-Eißner einmal vor einiger Zeit: „Mein bevorzugtes Medium ist Naturstein, vor allem Marmor,  in jüngerer Zeit auch Sandstein. Thema ist der Mensch: Haltungen, Zuständigkeit der Seele – das versuche ich, in plastische Form umzusetzen und aufs Papier zu bringen. Die Formfindung ist für mich entscheidend. Ich strebe immer weitere Verknappung, Verallgemeinerung der Form an.“

Diese Verknappung und Verallgemeinerung der Form äußert sich gerade in den kleineren Formaten, die durch ihre Handlichkeit und durch die bildhauerische Bearbeitung der glatten und polierten Oberflächen einen unmittelbaren haptischen Reiz auszulösen vermögen und zum Anfassen einladen. Es ist ein Charakteristikum der Bildhauerin, dass sich die Körper – manchmal weibliche Akte, manchmal fragmentierte Frauenleiber und manchmal auch Gruppen  wie  aus dem Stein herauszuwindenden scheinen. Anders herum kann man sagen, dass der vorgegebene und vorgefundene Stein die Konturen vorgibt und die plastischen Formen unter den Händen der Bildhauerin Gestalt annehmen, wobei der Schaffensakt als solcher auch sichtbar bleibt – sie legt die fließenden, schlichten Formen frei. Arbeiten wie „Schwebende“, „Liegende“, „Kleiner weißer Akt“ oder „Stehende“ zeichnen sich durch eine sinnliche Präsenz aus und führen uns unterschiedliche, manchmal innerlich angespannte, aber zumeist gelassene Körperhaltungen vor Augen. So scheint der weibliche Akt „Tagesanbruch“ in seiner Körperhaltung mit der „Kleinen 14-jährigen Tänzerin“ von Edgar Degas verwandt zu sein, die in einer Tanzpause erfasst ist. Das eine Bein ist vor das andere gestellt, der Kopf leicht in den Nacken gelegt, der linke Arm entspannt hinter den Rücken gelegt – ein nur verhaltener Schritt wagt sich in den Raum hinaus, und so ist es ein Werk, das wie fast alle Skulpturen von Konstanze Feindt-Eißner zurückhaltend ist. Zurückhaltend und konzentriert auf das Wesentliche und das Innerliche. Auch wenn Konstanze Feindt-Eißnerdie Künstlerin vielleicht die Degas’sche Tänzerin aus der Dresdner Skulpturensammlung im Albertinum gar nicht vor Augen hatte, so liebt sie den Tanz in besonderer Weise, fühlt sich ihm als „Konsumentin“ verbunden und schätzt ihn besonders als „Malmittel, als seelenverwandte Ausdrucksform“, wie sie selbst sagte. Und wir begegnen dem Motiv des Tanzes in ihrem Werk immer wieder, sei es in ihrer Skulptur oder im zeichnerischen Werk, wo uns Titel wie „Tanz VI“ (falls die Zeichnungen abgebildet werden, kann man hier die Verweise einfügen, falls andere Zeichnungen gezeigt werden, muss das im Text verändert werden), „Balancetanz“, „Tanz in den Morgen“ oder „Erinnerung an Derevo“ begegnen.

Ebenso wie die „Wächter-Figuren“ tragen die Skulpturen der Künstlerin immer sprechende Titel. Sie nimmt den Betrachter damit an die Hand und gibt ihm Anhaltspunkte, lässt aber den Ausgang offen – d.h., dass die Arbeiten letztlich in ihrer Bedeutung nicht festgelegt sind und für die ganz subjektiven Interpretationen des Betrachters offen bleiben. Dies gilt natürlich auch für ihre zeichnerischen Arbeiten. Es bleibt immer Raum genug für unsere FPhantasie, und selbst wenn wir manchmal meinen, Dinge klar zu erkennen, ist doch häufig nichts, wie es scheint. Oder man meint, alles zu sehen und zu erkennen, und sieht doch nichts. 

Konstanze Feindt-Eißners Zeichnungen entstehen häufig vor einem autobiografphischen Hintergrund und widmen sich oft der Betrachtung des eigenen Selbst oder der Auseinandersetzung mit dem eigenen Leben und der eigenen Vergangenheit. Leitmotivisch ziehen sich bestimmte Themen und Elemente durch ihr Werk und tauchen immer wieder auf: Dazu gehört zunächst der weibliche Akt, der in den unterschiedlichsten Körperhaltungen in Erscheinung tritt. Manchmal sind es auch märchenhafte Tiere, die einer FPhantasiewelt entsprungen zu sein scheinen, oder es tauchen unvermittelt kleine rote Kugeln auf, die als Zeichen der Balance und des Balancehaltens vor dem Hintergrund östlicher Philosophie verstanden sein wollen. Kleine und größere Flügelformationen umgeben sie oder lassen ihre mit leichter Hand geschwungenen, fphantasievollen Mischwesen entstehen, deren Formen sich oft aneinanderschmiegen und ergänzen. Christliche Darstellungen wie etwa eine „Madonna“ auf der Mondsichel sind zu finden, zu denen die Künstlerin, wie sie sagte, durch die Ausstellung „Gotische Skulptur in Sachsen“ im Schloßbergmuseum in Chemnitz angeregt wurde. Auch in ihrem skulpturalen Werk wird dieses Thema sichtbar. Selbst Mutter zweier Kinder, widmet sich Konstanze Feindt-Eißner der Darstellung von Kindern oder Mutter-und-Kind-Gruppen, wobei sowohl der Schwangerschaft als auch dem Beschützen und Beschützt in facettenreicher Weise Ausdruck verliehen werden. Assoziationen mit Madonnen-Darstellungen sind hier ebenso wenig abwegig wie in ihrer zeichnerischen Kunst.

 

Es sind auf der einen Seite erdachte Traumwelten, die Konstanze Feindt-Eißner zum Leben erweckt, auf der anderen Seite fließen aber mitunter hin und wieder auch ganz aktuelle Ereignisse mit ein, die die Fantasie der Künstlerin angeregt haben. Dazu gehörten beispielsweise die  Diskussionen um das Segelschulschiff Gorch Fock oder ein Beitrag über den Clown Pan Panazeh, den die Künstlerin in der Zeitung las.

Das Motiv des Clowns ist von besonderer Bedeutung für Konstanze Feindt-Eißner, weil sie damit den frühen Freitod ihres Zwillingsbruders vor 20 Jahren verarbeitet, den sie oft als heiteren Spaßmacher wahrnahm. Die Zwillings-Thematik, die ihr Schaffen schon viele Jahre begleitet, erfährt seit der jüngsten Zeit durch die Entdeckung der Zwillingsfiguren der westafrikanischen Gruppe der Yoruba aus Nigeria eine neue Inspiration.

In der Kultur der Yoruba haben Zwillinge traditionellerweise einen besonderen Stellenwert, getragen von dem Glauben, dass Zwillinge eine gemeinsame Seele teilen. Stirbt ein Zwilling in jungen Jahren, ist die Balance dieser einen Seele aus dem Gleichgewicht gebracht und einem aus Holz geschnitzten Figurenpaar wird dann eine Stellvertreter- und Schutzfunktion übertragen, um den überlebenden Zwilling zu schützen. Diese Figuren heißen Ibeji, und wenn man die Zeichnungen von Konstanze Feindt-Eißner genau betrachtet, kann man eine solche Ibeji-Figur das eine oder andere Mal entdecken. 

Auch waren in der Ausstellung 2011 Arbeiten vertreten, die die Künstlerin vor einigen Jahren geschaffen, aber in jüngster Zeit überarbeitet hat – der Blick auf die Werke verändert sich, was vielleicht als fertig galt, erscheint nun unfertig. Dazu gehört beispielsweise „Erscheinung“ aus dem Jahr 1994, in den Jahren 2001 und erneut 2009 verändert. Es handelt sich hierbei übrigens um eine gängige künstlerische Praxis, wie man sie beispielsweise auch von Pablo Picasso kennt, der bestimmte Arbeiten sogar Jahrzehnte nach ihrer Entstehung überarbeitet hat. 

 

Konstanze Feindt-Eißner führt mit der nun vorliegenden neuen Publikation viele Facetten ihres Schaffens vor Augen. Man findet heitere und fast leichte erscheinende Arbeiten und kann ihrer Freude am Experimentieren nachspüren, wenn sie Tusche und Acryl auf ungrundierter Leinwand mit den Abdrücken von Naturformen kombiniert werden und sich dabei wie von selbst die Formen entwickeln.  Man findet aber auch düster anmutende, fast formlose Blätter, deren Gegenstäande gänzlich andere Einblicke erlaubten: Ddazu gehören Arbeiten wie „Zustand II“ (2010) und „Niemand weiß vom anderen nichts“ (2010).

So zeigt die Künstlerin mit ihren Werken häufig zwei Seiten, nicht nur in der Wahl der künstlerischen Gattungen oder Materialien. Es sind zum einen die Rituale und Bräuche anderer Völker und deren Glauben, die Konstanze Feindt-Eißner nachhaltig beeindruckt haben. Doch sieht man von diesem außereuropäischen Faszinosum ab, geht es zum aAnderen auch immer um etwas ganz Wesentliches, um existenzielle Themen und komplementäre Gegenpole: Dies sind Tod und Trauer oder der Suizid, die Bewältigung der Trauer oder das Leben mit Verlusten. Es geht auch um Freude und Heiterkeit, um Liebe, um innere Balance und den Verlust der inneren Balance oder deren Wiederfinden in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.  

Konstanze Feindt-Eißners Arbeiten können mit ihrer meditativen Ruhe Trost spenden. und mit einer ganz filigranen, berührenden Art nimmt sie das Publikum gefangen und verblüfft durch sensible Sichtweisen auf das Leben. Vor Augen führt sie dabei immer wieder die Verletzbarkeit und die Labilität des Seins. 
 

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