Konstanze Feindt Eißner
   Konstanze Feindt Eißner     

Wächter  (2010- 2013)

 

 

 

Astrid Nielsen, Skulpturensammlungen Dresden:

"Die Arbeiten der  Zeit von 2010 bis ca. 2014 überraschen im Werk von Konstanze Feindt-Eißner: So schuf sie ihre so titulierten „Wächter“, im ganz kleinen Format auch „Reisewächter“ und „Flugwächter“ genannt und dadurch als transportable, ständige Begleiter zu verwenden. Erstmalig arbeitet die Künstlerin hier mit Stoff. In ihrer Farbigkeit und mit den eigenartigen Applikationen erscheinen die „Wächter“ nicht von ungefähr wie Wesen aus einer anderen Welt, denn die Künstlerin fand die Inspiration für diese Figurinen in der außereuropäischen Kunst, womit sie in einer langen Tradition steht. Im vergangenen Jahr besuchte sie die Ausstellung „Vvodou. Kunst und Kultur aus Haiti“ im Ethnologischen Museum in Berlin, die mit knapp 350 Objekten zum ersten Mal einen umfassenden Einblick in die Welt des haitianischen Vodou gab. Skulpturen, riesige Spiegel, sogar eine ganze Tempeleinrichtung waren im Ethnologischen Museum zu sehen. Vodou ist ein System religiöser Praktiken, das in Westafrika weit verbreitet ist und mit den afrikanischen Sklaven nach Amerika und Haiti kam. Diese Praktiken sind die Basis afroamerikanischer Religionen, in die ebenso Elemente des Katholizismus und indigener Glaubensvorstellungen einflossen. Von den etwa 8,5 Millionen zumeist katholischen Einwohnern Haitis glauben bis zu 90 % Prozent gleichzeitig an Vodou-Götter und Vodou-Geister, die sogenannten Iwa. Vodou ist im  Alltag, in Musik und Tanz, in Ritualen und Symbolen in Haiti allgegenwärtig. Im Zentrum der Berliner Ausstellung stand der so genannte „Bizango“. Dieser ist eine militärisch organisierte Vodou-Geheimgesellschaft, die im Widerstand der Sklaven gegen die Franzosen und selbst noch im 20. Jahrhundert eine zentrale Rolle spielte. Die Objekte jener Geheimgesellschaft dürfen in Haiti nur eingeweihte Mitglieder sehen, und blieben somit blieben sie bisher einer breiten Öffentlichkeit bisher verborgen. 

Es waren diese Figuren des Bizango, die Konstanze Feindt-Eißner in ihren Bann zogen: mannsgroße, soldatenhafte Krieger aus Stoff, rot und schwarz gewandete Figuren, deren Gesichter über Totenschädel modelliert, zu Fratzen verzerrt und mit Narben übersät sind. Sie verkörpern die Kraft der entschlossenen Bizango-Krieger, und ihre entstellten Gesichter spiegeln gleichzeitig die Verwundungen eines Landes, das durch koloniale Ausbeutung, korrupte Diktatoren und zuletzt zerstörerische Naturgewalten viel zu erdulden hatte. Stricke und Ketten oder auch Vorhängeschlösser bändigen ihre Kraft, Spiegelfragmente in ihren Augenhöhlen und auf ihrer Kleidung versinnbildlichen die Geisterwelt und schützen vor bösen Mächten. Diese Schutzfunktion ist das wesentliche Element, das Konstanze Feindt-Eißners „Wächter“-Figuren mit jener furchteinflößenden Geisterarmee verbindet. Es geht ihr der Künstlerin aber dabei weniger um den kämpferischen Gehalt im wörtlichen Sinne, als vielmehr um einen persönlichen und ganz individuellen Schutz. Vor diesem ernsthaften Hintergrund äußert sich aber auch ganz unmittelbar ein neuer Wesenszug in der Kunst der Bildhauerin, der uns ihre humorvolle Seite vor Augen führt. Denn in diesen von der haitianischen Vodou-Kunst inspirierten, puppenhaften Figuren kann man das spielerische Experimentieren mit den verschiedenen Materialien erspüren und die große Freude der Künstlerin daran, wie sich die Formen beinahe ganz eigenständig entwickeln. So sind die „Wächter“ als experimenteller und heiterer Ausflug zu verstehen, das Wichtigste und Wesentlichste jedoch sind und bleiben neben den zeichnerischen Arbeiten die Steinskulpturen."

(Textauszug aus dem Katalog Konstanze Feindt Eißner, Verlag für Moderne Kunst Nürnberg, 2012)

 

 

 

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